Entertainment

Deutsche Staatsoper Berlin - Medientechnik und Systemintegration im Zuge der Generalsanierung

Das Objekt
Die Deutsche Staatsoper war nach ihrer Erbauung von 1741 bis 1743 als Königliche Oper das erste freistehende Opernhaus Deutschlands und größte Operngebäude in Europa. Aufgrund ihres Standortes im Ortsteil Mitte an der zentralen Prachtstraße „Unter den Linden“ ist sie der Öffentlichkeit auch als Lindenoper bekannt. Am 7. Dezember 1742 wurde sie vor endgültiger Fertigstellung eröffnet. Nach dem 2. Weltkrieg war der Architekt Richard Paulick maßgeblich an den Wiederaufbauarbeiten des zerstörten Gebäudes beteiligt. 2008 hat die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen eine umfangreiche Sanierung ausgeschrieben, die sich unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes an dem Vorbild der Gestaltung des Innenraumes von Paulick orientieren sollte. Anfang 2009 erhielt das Stuttgarter Architektenbüro hg merz den Zuschlag für die Objektplanung. Aufgrund des schwierigen Baugrundes, der schlechten Bausubstanz, Planänderungen und anderer Widrigkeiten während der Sanierung verlängerte sich die Bauzeit des historischen Gebäudes erheblich.

Zum Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 2017 wurde die Staatsoper in einem Dankes-Akt für die Berliner offiziell wiedereröffnet. Danach wurde die Staatsoper erneut geschlossen, um die Bauarbeiten weiter voranzubringen. Am 7. Dezember 2017, genau 275 Jahre nach der ersten Fertigstellung konnte der Spielbetrieb wiederaufgenommen werden. Vieles hat sich verändert, einiges ist geblieben und präsentiert sich in frischem Glanz, so dass die Modernisierung die Lindenoper im internationalen Wettbewerb wieder auf dem Weg in die Spitze geführt hat.

Die Aufgabenstellung
Die generelle Anforderung des Auftraggebers bestand in einer Generalinstandsetzung, dem Umbau des Zuschauersaals sowie der Renovierung und Erweiterung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Ein wichtiger Punkt im Sanierungskonzept war der Neubau der Bühnentechnik und die Erneuerung der AV Medien- und Inspiziententechnik auf internationalem Niveau. Der Zuschauersaal sollte weitestgehend erhalten bleiben, die Akustik deutlich hörbar optimiert und demzufolge auch die Nachhallzeit verlängert werden. Für die Zuschauer wurde mehr Komfort angestrebt, die Sichtverhältnisse auf den Rängen signifikant zu verbessern und die Abläufe der Besucherströme zu optimieren. Mit dem denkmalgerechten Umbau, der Sanierung und Erweiterung der Lindenoper war das Stuttgarter Architekturbüro hg merz beauftragt. Der Auftrag zur Raum- und Gebäudeakustik sowie für die audiovisuelle Ausstattung ging an Peutz Consult Berlin.

Aufgrund der komplexen Anforderungen wurde die Erneuerung der Medientechnik in der Staatsoper Berlin in einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Amptown System Company (ASC) und Salzbrenner Media umgesetzt. In dieser ARGE war ASC für die Video- und Beschallungssysteme, IT-Netze sowie als ARGE-Führer für das Projektmanagement verantwortlich. Salzbrenner Media verantwortete die Inspiziententechnik, die Audio-Mischpulte und die Signalverteilung.

Die Lösung
Für die Verbesserung der Akustik als eines der Hauptziele der Sanierung wurde die historische Kuppelsaaldecke um 4,50 Meter angehoben, so dass das Saalvolumen um 40 % des Gesamtvolumens erhöht wurde. Durch die Anhebung entsteht oberhalb der Ränge eine nachhallende Galerie. Um diese Lücke zu schließen, hat hg merz ein optisch geschlossenes aber akustisch transparentes Netzwerk entwickelt. Das schalldurchlässige Netzmuster der Verkleidung harmoniert stilistisch mit den historischen Schmuckelementen des barocken Saales. Mit der neuen „Nachhallgalerie“ unter der Decke und dem größeren Volumen verlängert sich die Nachhallzeit von 1,1 auf 1,6 Sekunden.

Die Beschallung
Das Beschallungskonzept in der Lindenoper besteht aus Lautsprechern des Herstellers d&b audiotechnik angesteuert von systemspezifischen Endstufen mit integriertem DSP-Controller sowie 40 Meyer Sound MM-10-XP und 120 Meyer Sound MM-4 Miniature Wide-Range Lautsprechern in der passiven Version. Bewährte Meyer Sound UPA´s ermöglichen – flexibel auf Stativ mobil eingesetzt - unterschiedliche zusätzliche Beschallungsszenarien. Nahezu unauffällig sind 40 d&b E12 2-Weg-Hochleistungslautsprecher in den Beleuchterzügen, der Saaldecke, der Portalbrücke und in die Nachhallgalerie integriert. In den Portalen hinter der bemalten schalltransparenten Stoffabdeckung befinden sich pro Seite vier d&b Yi10P Installationslautsprecher und zwei E8 Lautsprecher, der Centercluster wurde mit sechs d&b T10 Lautsprechern realisiert. Über dem Proszenium, dem vordersten Bereich der Opernbühne, sorgen 12 d&b T-SUBs für entsprechenden Bass im Saal. Für Einspielungen aus der Tiefe der Hinterbühne installierte ASC rechts und links eine druckvolle Vi7p mit zwei V-SUBs.

Die Surroundanlage
Für besondere szenische Effekte wird eine 3D-Audioanlage von Astro Spatial Audio verwendet. Dazu sind zwei SARA II Premium Rendering Engines eingebaut. Diese Engines sind je über 128 MADI Kanäle in das Nexus-Audioroutingsystem eingebunden und stehen sämtlichen Lautsprechern für die akustische Wiedergabe zur Verfügung. Die Ansteuerung der Anlage erfolgt in 128 vertikalen Lautsprechergruppen (Surround Kanäle). Auf diese Art und Weise kann der Tontechniker zusätzliche Soundeffekte interaktiv in jede Richtung im Opernbetrieb steuern, zum Beispiel einen Chor über die Tonanlage inszenieren und den Saal als dritte Dimension nutzen. Das Ergebnis: Der Zuhörer wird akustisch in die Aufführung hineingezogen. Um ein umfassendes Erlebnis zu generieren, können sowohl Licht- als auch Videosysteme miteingebunden werden.

Für die Probebühnen in der Lindenoper hat ASC neun mobile Medienracks geliefert, die mit einer Audio-/Video-Kreuzschiene IN 1608 von Extron als AV-Signalumschalter für Blu-Ray, CD-Zuspieler, Drahtlos-Mikrofonie und Zuspiel-PC bestückt sind. Werden die Racks an das IT-Hausnetz angeschlossen, besteht Zugriff auf selbst aufgezeichnete Mitschnitte im Haus. Hierfür verfügt die Staatsoper Berlin über drei Extron SMP 351 H.264 Streaming Media Prozessoren, welche für das Echtzeitstreaming der Kamerasignale sowie für Aufzeichnungen zur späteren Verwendung dienen.

Das drahtlose Funksystem
In der Staatsoper Unter den Linden kommt ein digitales drahtloses Funksystem aus der neuen Axient Digital Serie von SHURE mit 34 Kanälen zugunsten des klaren Klangs und einer stabilen Übertragung zum Einsatz, welches zeitnah noch ein Upgrade auf die fernsteuerbare ADX-Sendervariante erfährt. In der Lindenoper hat man speziell zum Thema Betriebssicherheit das hochmoderne Drahtlossystem von SHURE favorisiert, weil es aktiv innerhalb einer stark frequentieren HF-Umgebung über eine zuverlässige Signalqualität und enorme Abdeckung verfügt. Das Axient Digital System führt dazu einige neue Technologien am Markt der Drahtlos Mikrofone ein. So ist das System zum Beispiel in der Lage, mittels eines „Spektrum-Managers“ die gesamte HF-Umgebung zu scannen und automatisch ein optimales Frequenzsetup zu berechnen. Dieses Setup kann dann ganz einfach direkt auf die Empfänger und Sender übertragen werden, auf die ADX-Sendern sogar in Echtzeit über einen separaten Daten-Funkkanal. Damit können Störungen jederzeit – sogar im laufenden Betrieb – unhörbar umgangen werden, und mit wechselnden Produktionen können veränderte Setups ganz einfach abgespeichert und auf die Sender übertragen werden. Weitere mit dem Axient Digital eingeführte Neuheiten sind zum Beispiel Quadversity, eine einheitliche Schaltbandbreite (166 MHz) bei Empfänger UND Sendern, Netzwerk-überwachte Tischladegeräte für Hand- und Taschensender (Lithium-Ionen Akkus) und ein digitalen Mini-Taschensender mit eingebauten, selbstabstimmenden Antennen. Zum neuen Bestand der Funktechnik gehören 34 Taschen- und 8 Handsender aus der Axient Digital-Serie. Zusätzlich kommt noch ein In-Ear-System aus der bewährten PSM 900/1000 Serie von SHURE mit 40 Empfängern zum Einsatz.

Übertragung per Glasfaser

Die HF-Übertragungstechnik ist eine der besonderen Herausforderungen in diesem Projekt. Die verschiedenen Funksysteme Drahtlosmikrofonie, Wireless Intercom und In-Ear Monitoring werden in verschiedenen, zum Teil weit voneinander entfernten Gebäudeteilen genutzt. Dabei muss eine lückenlose Funkabdeckung gewährleistet sein. Das drahtlose Voll-Duplex Intercom System BTR-800 des Herstellers RTS erfordert dabei sogar eine bidirektionale Infrastruktur. Für die dafür notwendige, verlustfreie Übertragung sämtlicher HF Signale in die verschiedenen Bereiche hat ASC in der Oper Unter den Linden ein Glasfaser basiertes HF Distributionssystem von The Wireless Works integriert. Neben der Bühne und dem Zuschauersaal werden so auch das Foyer, der Apollosaal – Spielstätte für Lesungen und kleine Kammerkonzerte – und die Mitarbeitergänge über eine Glasfaser-Infrastruktur-HF-technisch an die zwei Technikzentralen angebunden. Das offene System ist ein wichtiges Element der ASC-Systemintegration und arbeitet über dezentral verteilte, sogenannte Remote Units, welche die HF-Signale bidirektional in die einzelnen Gebäudeteile abstrahlen und empfangen.

Videotechnik
Die Bildübertragung des Dirigenten ist in Opern- und Konzerthäusern stets eine besondere Herausforderung, da möglichst latenzfrei eine Übertragung aus dem Orchestergraben zu den Bereichen auf der Hinterbühne oder in den Saal erforderlich ist. Das Bild mehrerer Panasonic AW-HE130 Kameras, angebunden über Extron HD-SDI FOX Matrix mit entsprechenden LWL-Wandlern, wird auf Sony LCD- und OLED- Monitoren wiedergegeben. Der besondere Vorteil des „absoluten Schwarz“ der OLED- Technologie ermöglicht es erstmals, dass bei einem szenischen Black Out nicht ein dunkelgraues Flimmern der Monitore doch noch Saal und Bühne schwach erleuchtet.

Neben den Kamerasignalen aus dem Orchestergraben und der Totale aus dem Saal liegen szenische Zuspieler des Hersteller Green Hippo an der Extron Kreuzschiene an. Diese verteilen dann über feste oder patchbare LWL-Verbindungen das Bild mit embeddetem Ton im ganzen Haus.

Fragen? Wir helfen Ihnen gerne

  • Oper-Unter-den-Linden-Slider-I.jpg

    Staatsoper Unter den Linden

    Für die Verbesserung der Akustik wurde die historische Kuppelsaaldecke um 4,50 Meter angehoben, so dass das Saalvolumen um 40 % des Gesamtvolumens erhöht wurde. Durch die Anhebung entsteht oberhalb der Ränge eine nachhallende Galerie.

  • Oper-Unter-den-Linden-Slider-II.jpg

    Staatsoper Unter den Linden

    Das markante Rautengitter der Nachhallgalerie aus elfenbeinfarbener, schalldurchlässiger, glasfaserverstärkter Phosphat-Keramik (CBPC) greift Gestaltungselemente von Paulick auf.

  • Oper-Unter-den-Linden-Slider-III.jpg

    Staatsoper Unter den Linden

    Nahezu unauffällig sind 40 d&b E12 2-Weg-Hochleistungslautsprecher in den Beleuchterzügen, der Saaldecke, der Portalbrücke und in die Nachhallgalerie integriert.

  • Oper-Unter-den-Linden-Slider-IV.jpg

    Staatsoper Unter den Linden

    Für die notwendige, verlustfreie Übertragung sämtlicher HF Signale in die verschiedenen Bereiche hat ASC in der Oper Unter den Linden ein Glasfaser basiertes HF Distributionssystem von The Wireless Works integriert.

Die ganze Vielfalt auf einem Blick

Hier finden Sie zu jedem Geschäftsbereich unsere gesamten Referenzen

  • Corporate & Public Projects

  • Allgemeine Geschäftsbedingungen