Entertainment

Installation medientechnischer Systeme: Licht-, Ton-, Inspiziententechnik und Sonderbauten in der Elbphilharmonie

Das Objekt
Am 11. und 12. Januar 2017 wurde die Elbphilharmonie im Westen der Hamburger HafenCity eröffnet. Das moderne von den Schweizer Architekten Jacques Herzog, Pierre de Meuron und Ascan Mergenthaler kreierte Gebäude steht auf der Hülle des früheren Kaispeichers A. Es enthält einen großen Konzertsaal mit 2.100 Sitzen, einen kleineren intimeren Konzertsaal mit 550 Plätzen und einen musikpädagogischen Bereich mit dem Kaistudio 1 für 170 Besucher und weitere Studios. Der Große Saal verfügt über eine zentrale Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist. Das akustische Konzept hat der Japaner Yasuhisa Toyota geschaffen: Die Besucher sollen von allen Plätzen gleich gut hören.

Die Architektur der Elbphilharmonie und des großen Konzertsaals gilt weltweit als einzigartig. Die ungewöhnliche 110 m hohe Silhouette einer gläsernen Welle stellt schon jetzt eines der Hamburger Wahrzeichen dar. Der Neubau umfasst neben den beiden Konzertsälen 45 Eigentumswohnungen, ein Vier-Sterne-Plus-Hotel mit 244 Zimmern und gastronomische Einrichtungen. Zwischen dem kompakten Sockelbau aus Backsteinen und der transparenten Glashülle befindet sich im 8. Obergeschoß die Plaza, eine öffentliche Aussichtsplattform. Über die „Tube“, eine rund 80 Meter lange Rolltreppe gelangen die Besucher dorthin. So ungewöhnlich die Architektur auch ist – die Bestimmung der Elbphilharmonie ist, Menschen unvergessliche musikalische Erlebnisse zu bescheren.

Die Aufgabe
In der zwölf Jahre zurückliegenden Planungsphase konnte Amptown System Company zunächst die von HOCHTIEF initiierte Ausschreibung für die szenische Beleuchtung und damit das Lichtgewerk für sich entscheiden. Durch die gute Zusammenarbeit im lichttechnischen Segment wuchs man im Zuge der Bauphase mit gemeinsam durchgeführten Tests, Simulationen und medientechnischen Systemlösungen enger zusammen. So wurde ASC im offenen Wettbewerb mit der Montage und Inbetriebnahme des gesamten Audio-/Video Parts für den Großen und den Kleinen Saal sowie die Kaistudios beauftragt. Innerhalb ihres Gewerkes hat ASC die Aufgaben Montage, Anschluss und Inbetriebnahme von Licht-, Beschallungs- und Intercomlösungen umgesetzt. Darüber hinaus bestand der Auftrag aus sieben hochmodernen Inspizientenpulten mit der integrierten ADUNAS-Technologie sowie Sonderkonstruktionen für die Spiegel-TV-Displays. Letztere dienen dazu, den Konzertbesuchern wichtige Informationen zur Wegeführung und zum Veranstaltungsprogramm zu zeigen. Die Herausforderung bestand darin, komplexe Technik während der zehnjährigen Bauphase auf ein zeitgemäßes und nachhaltiges Niveau zu bringen und die verschiedenen Interessen der Architekten, Betreiber und Künstler zu vereinen.

Die Lösung
Die szenische Beleuchtung
Der große Konzertsaal ist mittels Stahlträgerkonstruktion auf riesigen Federpaketen gelagert und somit akustisch vom Rest des Gebäudes abgekoppelt. Die Sitzverteilung folgt dem Weinberg-Prinzip, bei dem die Hörer rund um die zentrale Bühne sitzen. Ihre Reihen steigen steil auf, so dass eine intime Atmosphäre entsteht – das Publikum sitzt maximal 30 Meter vom Dirigenten entfernt. Die ungewöhnliche Wandverkleidung besteht aus weißen Gipsplatten mit eingefrästem Rillenprofil, die sogenannte Weiße Haut. Sie reflektiert zusammen mit einem überdimensionalen Reflektor in der Mitte des Deckengewölbes den Klang in jeden Winkel des Saals. In der Elbphilharmonie wurde mit bewährten klassischen Beleuchtungskomponenten gearbeitet. Ein Blick nach oben zeigt Deckenausschnitte mit einer Spezialglas-Abdeckung, hinter der sich die umlaufende Beleuchterbrücke mit hochwertigen Halogenscheinwerfern der Hersteller ETC und Robert Juliat befindet. Es werden Halogen-Profilscheinwerfer mit unterschiedlichen Abstrahlwinkeln im Leistungsbereich von 0,75 kW bis 2 kW eingesetzt. Zusätzlich gibt es 6 Beleuchterstände, in denen ebenfalls Halogen-Profilscheinwerfer zum Einsatz kommen. Im Canopy wurden 37 LED Wash-Scheinwerfer des Herstellers ETC eingebaut, die mit einer Farbtemperatur von 3000 K passend zu den Halogenscheinwerfern für hochintensives Warmweiß-Licht sorgen. Insgesamt wurden rund 500 Scheinwerfer montiert.

ASC hat die komplette Stromunterverteilung für die szenische Beleuchtung installiert. Daran angeschlossen sind ETC Dimmeranlagen, deren Steuerungssysteme und MA-Lightning Lichtmischpulte. Über das ganze Haus sind Versatzkästen verteilt, an denen Steuersignale und Spannung für die Scheinwerfer abgenommen werden können.

Im Kleinen Saal ermöglichen wellenartig gefräste Holzpaneele den perfekten Klang. Auch dieser ist wie der Große Saal vollständig vom Rest des Gebäudes entkoppelt. An verfahrbaren Beleuchterstangen wurden Steckplätze zur Abnahme von Steuersignalen und Spannung montiert, um hier, neben klassischen Scheinwerfern, auch die gelieferten Moving Lights der Hersteller JB Lightning und Philips Vari-Lite betreiben zu können. Im Kaistudio 1 können die Scheinwerfer an eine umlaufend fest montierte Aluminiumtraverse montiert werden. Auch hier stehen die für den Betrieb erforderlichen Anschlüsse an montierten Versatzkästen zur Verfügung.

TV-Spiegel Displays

Im Haus verteilt wurden 32 TV-Spiegel-Displays montiert. Sie sind in drei Größen 90 cm, 140 cm und 169 cm Durchmesser angefertigt und hängen, dem Betrachter leicht zugewandt, an den Wänden. Die TV-Spiegel-Displays wurden in der Amptown Manufaktur hergestellt und mit einer Unterkonstruktion ausgerüstet, die es ermöglicht, einerseits einen vereinfachten Zugang zum Display und zur Set-Top Box zu schaffen und andererseits die Konstruktionen fest an der Wand zu verankern. Die Spiegel bestehen aus runden, 10 mm starken Glasscheiben aus ESG, Typ „Mirona“ des Herstellers Schott AG. Auf der Rückseite des Glases wurde ein Passepartout im Siebdruck Verfahren als Farbbeschichtung aufgebracht, um die Konturen der dahinter liegenden Panasonic Displays frei zu stellen. Die Ränder der Gläser sind mit einem C-Kantenschliff versehen. Sind die Displays ausgeschaltet, stellen die Spiegelflächen ein gestalterisches Element dar, im eingeschalteten Zustand dienen sie als Informationssystem. Individueller Content kann in Form von Schrift, Bild und Ton wiedergegeben werden.
 
Die Beschallung
In der Elbphilharmonie wurde kein komplexes Soundsystem im Großen Saal montiert, sondern Wert auf den ursprünglichen und reinen Klang der Instrumente und Stimmen im Raum gelegt. Ein im pilzförmigen Reflektor im Deckengewölbe montiertes Sprachalarmierungssystem bestehend aus sechs Column Array Lautsprechern CAL64 des Lautsprecherherstellers Meyer Sound dient für Reden und Ansagen und sorgt dafür, dass die Abdeckung des gesamten Saals durch einen zentralen Installationspunkt erfolgt. Die Zeilenlautsprecher sind so ausgerichtet, dass mittels der präzisen Beam Steering Technologie sowohl in der vertikalen als auch horizontalen Ausrichtung ein Großteil des Saals erreicht wird.

Für den Kleinen Saal und die Kaistudios haben die Betreiber jeweils ein mobiles Soundsystem vorgesehen, um auch hier dem Flexibilitätsgedanken Ausdruck zu verleihen. Zum Einsatz kommen Komponenten der Y- und E-Serie des Hersteller d&b audiotechnik. Im Kleinen Saal werden vorwiegend Jazz und Kammermusik Darbietungen umgesetzt. Die gewölbten Eichenholz Wände im klassischen schuhkartonförmigen Raum liefern dazu eine warme Atmosphäre. Alle Instrumente sind klar und präzise zu hören.

Zur Steuerung der Beschallung des Kleinen und Großen Saals sowie des Kaistudios wurden 5 digitale Mischpulte des Herstellers LAWO geliefert. Diese wurden in Abstimmung mit dem NDR und dem Hersteller in die digitale Audio-Infrastruktur des Hauses eingebunden.

Inspiziententechnik
ASC hat sich in der Entwicklung maßgeschneiderter Inspizientensysteme, die in namhaften Häusern erfolgreich spielen, einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Die Kooperation von ASC mit ADUNAS, die in den Pulten enthaltene Beckhoff-Architektur und die maximale Flexibilität der Anlage beispielsweise durch optionale Software-Erweiterungen waren für die Verantwortlichen in der Elbphilharmonie ein wichtiges Entscheidungskriterium.

Für den Großen Saal hat man daher 2 große und 2 kleine Inspizientenpulte inklusive des SPS-basierten ADUNAS-Mediensteuerungssystem entwickelt. Folgende Funktionalitäten wurden umgesetzt: Umschaltung von Programmen auf dem Windows-PC mittels externer Ansteuerung über ADUNAS, die allpolige Abschaltung der Versätze im Haus und im Bühnenbereich, Ansteuerung der verbauten Geräte wie Audiomatrix, Videomatrix und HD-Kameras.

Die Pulte geben dem Inspizienten alle erforderlichen Werkzeuge an die Hand, um die Proben und Aufführungen erfolgreich zu gestalten. Mit der Intercomanlage ist die Kommunikation im gesamten Haus gewährleistet, Musiker können auf die Bühne gerufen werden und Beleuchter, Beschaller und andere Techniker können miteinander kommunizieren. Pro Saal steht ebenfalls eine Partyline mit bis zu 12 Teilnehmern zur Verfügung. Der Inspizient hat Kontrolle über die Einlasssignale und die Steuerung der Saaltüren. Er hat ständigen Sichtkontakt in den Saal durch mehrerer Kameras und eine digitale Videoverschaltung. Auch „Late Arrivals“ und „Last Minute Calls“ können über die Pulte ausgelöst werden. Die Einspielung und Aufzeichnung von Audiosignalen vom Pult ist ebenfalls möglich. Die Steuerung der Komponenten erfolgt dabei über einen Touchscreen, welcher entsprechend den Vorgaben der Nutzer programmiert wurde. Ein großes und ein kleines Pult stehen jeweils rechts und links der Bühne.  Das kleine Pult ist speziell für die Proben gedacht, das große kommt für die aufwendigen Aktivitäten rund um die Konzerte zum Einsatz. Im Kleinen Saal gibt es ebenfalls ein großes Inspizientenpult für die Vorstellung, das kleinere wird während der Proben eingesetzt. In den Kaistudios wird ein kleines Inspizientenpult genutzt.

Fragen? Wir helfen Ihnen gerne

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    Elbphilharmonie

    Hamburgs neues kulturelles Wahrzeichen wurde am 11. und 12. Januar 2017 in der HafenCity eröffnet. Die „Elphi“ ist ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Musik und der einzigartigen Lage am Hafen.

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    Elbphilharmonie

    Zahlreiche Scheinwerfer in den Deckenausschnitten des Großen Saals tauchen die Bühne in warmes Weißlicht. Im Reflektor des Deckengewölbes befinden sich sechs Column Array Lautsprecher, die herausgefahren werden können und mittels Beam Steering Technologie einen Großteil des Saals erreichen.

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    Elbphilharmonie

    An strategischen Stellen geben unterschiedlich dimensionierte TV-Spiegel-Displays Informationen in Bild, Schrift und Ton wieder. ASC hat diese Sonderkonstruktionen in der hauseigenen Amptown Manufaktur hergestellt.

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    Elbphilharmonie

    In der Elbphilharmonie kommen sieben ASC Inspizientenpulte zum Einsatz. Die Kooperation von ASC mit ADUNAS, das SPS-basierte Mediensteuerungssystem, die in den Pulten enthaltene Beckhoff-Architektur und die maximale Flexibilität der Anlage bieten den Inspizienten einen breiten Handlungskomfort.

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