Entertainment

Erneuerung der kompletten Medientechnik im Theater Vanemuine in Tartu, Estland

Das Objekt
Das Theater Vanemuine in der estnischen Stadt Tartu ist das älteste Theater des Landes und bildet mit drei dazugehörigen Gebäuden das einzige Drei-Genre Theater in Estland: Das große Gebäude „Vanemuine“, das 1967 nach mehreren Zerstörungen neu aufgebaut wurde und über knapp 700 Plätze (Parkett 407, Balkone 283) verfügt, der kleine historische Bau „Vanemuine“ und das Black Box Hafentheater am estnischen Fluß Emajõgi. 1970 wurde nach einem Umbau ein Konzertsaal mit 842 Plätzen eröffnet. „Vanemuine“ steht für eine Figur aus der estnischen Mythologie, die Musik und Gesang repräsentiert. Das Theater bedient eine große Bandbreite an darstellender Kunst – Theater, Oper, Operette, Ballett und Musicals – und wird ganzjährig betrieben. Die Bühne des Theaters hat einen Bühnenturm. Die Hauptbühne verfügt über eine linke Bühne und einen Backstage-Bereich. Vor einem großen Bühnenportal öffnet sich ein Orchestergraben im Proszenium.

Die Aufgabenstellung

Bei der Modernisierung des Theaters Vanemuine handelt es sich um ein Umbau-Großprojekt; das Theater wurde von Grund auf saniert und teilweise sogar innerhalb der Modernisierungsphase noch mehrfach baulich verändert. Mit der Planung und Durchführung des Umbaus wurde die Berliner Ingenieur Gesellschaft Wibbeke & Penders beauftragt. Als medientechnischen Planer hatte man den Theater- und Auslandserfahrenen Fachplaner Dr. Reiner Chemnitius aus Berlin hinzugezogen. Es folgte 2015 eine europaweite Ausschreibung auf der Basis der Ausführungsplanungen von 2014. Amptown System Company punktete aufgrund seiner Erfahrungen in Großprojekten, Systemlösungen in Theatern und in der Inspiziententechnik. Ein weiteres Auswahlkriterium war die internationale Expertise als Integrator für Entertainmenttechnik auf Kreuzfahrtschiffen. In der Schlussphase der Ausschreibung verblieb das Hamburger Systemhaus als einziger Partner, der sich an dieses Projekt heranwagte. Das Theater-Rigging, die Bühnenaufzüge, den Boden sowie die komplette Renovierung der Ober- und Untermaschinerie realisierte die niederländische Firma Trekwerk. Auftraggeber war das Theater Vanemuine vertreten durch Theaterdirektor Toomas Peterson. Die Umbauarbeiten waren in zwei Phasen gesplittet, während dessen der Spielbetrieb jeweils ruhte. 2016 wurden die Infrastruktur für die Beleuchtung des Bühnenturms geschaffen und das Blau- und Arbeitslicht installiert, das Lichtequipment ergänzt und die Obermaschinerie eingebaut, 2017 die Bühne entkernt, die Infrastruktur für die Bühnenbeleuchtung umgesetzt, das Blau- und Arbeitslicht für die Bühne montiert, die Drehbühne ersetzt, die Untermaschinerie eingebaut sowie die Medien- und Inspiziententechnik installiert. Die Eröffnung fand nach der Vorabnahme am 29. September 2017 statt.

Lichttechnik
Zusätzlich zum Hauptpult, einer in der ersten Phase gelieferten Hog 4 gibt es ein mit ETC Paradigm ausgestattetes Nebenpult mit umfangreichen Funktionen für das Licht. Es besteht lediglich aus einem portablen Touchpanel, über welches das Arbeitslicht, das Blaulicht, das Saallicht und direkte Stromkreise geschaltet werden können. Mit der Speicherung von Lichtstimmungen und deren Abruf ergibt sich die Möglichkeit, dieses Nebenpult als Variante für die Bühnenlichtsteuerung bei kleineren Veranstaltungen zu nutzen. Somit entfällt die Nutzung der kompletten Bühnenlichtkonsole. Das Nebenpult ist so intuitiv eingestellt, dass es auch von ungeschultem Personal bedient werden kann.

Die Lösung

Aufgrund der Erfahrung in der Integration der szenischen Beleuchtung im ersten Bauabschnitt war ASC mit den Vorarbeiten im Theatergebäude weitestgehend vertraut. Daher konnte das ASC Team, unter der Projektleitung von Jan Vandrei und dem für die medientechnische Planung und Inbetriebnahme verantwortlichen Ingenieur Rüdiger Aue, den Fachplaner Dr. Reiner Chemnitius auch in der zweiten Phase bei der Koordination aller Gewerke mit dem Fokus auf die Beschallungs- und Inspiziententechnik optimal unterstützen. In Absprache mit dem Kunden und Planer hat man zeitgemäße State-of-the-Art Technik eingekauft, die der Bandbreite der künstlerischen Produktionen voll gerecht wird und nachhaltig auf die Zukunft ausgerichtet ist.

Vernetzung per Glasfaser
Im Theater Vanemuine haben ASC und Dr. Reiner Chemnitius ein umfangreiches redundantes Audio-/ Video-Glasfasersystem als Sonderspezifkation basierend auf Optocore- und BroaMan Komponenten entwickelt. Das Glasfasernetz für die Audioübertragung ist als virtuelle Ringnetzwerk-Topologie (Redundanz) mit Autorouting eingerichtet. Das Video- und Glasfasernetz ist als eine redundante sternförmige Netzwerktopologie angelegt. Hierbei handelt es sich um ein hochmodernes System, das an allen Versatzkästen im Theater durchgängig mit hochauflösenden Signalen für A/V ausgestattet ist, den Zugriff auf 3G-SDI Videosignale ermöglicht und unterhalb der Drehbühne über ein Glasfaserinterface übertragen wird. So gibt es im ganzen Bühnenbereich, in den Galerien und auf dem Schnürboden Anschlusspunkte, um Videoquellen und Senken anzuschließen. Das Videonetzwerk von BroaMan beinhaltet eine Videomatrix mit 36 Eingängen auf 40 Ausgängen für die Verteilung hochauflösender Videosiganle im Haus. Parallel organisiert ein Inspizienten-Videosystem von BroaMan mit 12 Eingängen auf 22 Ausgängen die Videosignale der 8 Panasonic Full HD Kameras AW-HE-130 und Kontroll-/ Mitschaumonitore im Bühnenhaus, um auch dort Bilder empfangen zu können.

Inspizientenpulte

ASC hat in enger Zusammenarbeit mit dem Fachplaner und den technischen Verantwortlichen im Theater Vanemuine zwei Pulte mit der leistungsstarken und echtzeitfähigen adunas Mediensteuerung eingerichtet. Das große Hauptpult befindet sich rechts auf der Bühne und bietet hinsichtlich der Programmierbarkeit und Konfiguration für den Inspizienten den höchstmöglichen Bedienkomfort. Über zwei eingebaute adunas 22“ Touch Panels werden alle Steuerfunktionen wie z.B. Audio, Licht, Video, Vorhang, Uhrenfunktionen (Stoppuhr, Timer, Uhrzeit), Zuspieler und Gong realisiert. Des Weiteren werden die wichtigsten Beleuchtungskreise wie zum Beispiel die Regelung des Dirigentenspots, die Arbeitslichter vor und unter der Bühne und in den Galerien gesteuert. Die Lichtsteuerpulte und das Inspizientensystem sind miteinander vernetzt und „kennen den Status“ des jeweiligen anderen Systems. Ein zweites, kleineres mobiles Inspizientenpult ist mit einem Touchdisplay ausgestattet und beinhaltet die gleichen Funktionen wie das Hauptpult mit Ausnahme der Vorhangsteuerung. Es wird für die Theaterproben eingesetzt.

Intercom System
Das Intercomsystem hat in einem Theater aufgrund der immer komplexer werdenden Produktionen und den dadurch gestiegenen Anforderungen an die Kommunikation einen sehr hohen Stellenwert. Um dem gerecht zu werden, entschied man sich für ein modernes IP basiertes System der Marke RTS Intercomsystems. Die von Bosch entwickelte RTS OMNEO Plattform ermöglicht die einfache und flexible Vernetzung sämtlicher Systemkomponenten über ein Standard TCP-IP Netzwerk. OMNEO nutzt für die Audioübertragung das weit verbreitete Dante Netzwerk und AES70 für die Übertragung der Steuersignale. Dies vereinfacht die transparente Einbindung externer Komponenten und Audiosignale in das Intercomsystem erheblich.

Das zentrale Element dieser Intercomanlage bildet die redundant ausgelegte Adam M Intercom-Matrix. An diese werden die im Theater verteilten Intercomsprechstellen der RTS KP-Serie über die TCP-IP Infrastruktur des Hauses angebunden. Über die gleiche Infrastruktur werden auch die Access-Points des erst kürzlich neu vorgestellten RTS ROAMEO DECT Drahtlos Intercomsystems transparent in das Gesamtsystem integriert. 13 Access-Points sorgen so für die Anbindung von insgesamt 35 ROAMEO Beltpacks, mit denen eine gebäudeweite drahtlose Voll-Duplex Kommunikation für den Proben- und Vorstellungsbetrieb sichergestellt wird. Mit AZEDIT und IPEDIT stehen dem Kunden zwei komfortable Windows-Bedienoberflächen für die Konfiguration, Verwaltung und Überwachung des gesamten Systems zur Verfügung.

Die Beschallung

Das Beschallungssystem im Theater Vanemuine besteht aus Meyer Sound Komponenten. Bei der Hauptbeschallung kommen zwei Leopard Line Arrays bestehend aus jeweils sieben Elementen und drei 900-LFC Subwoofern in cardioider Anordnung zum Einsatz. Ein zweiteiliger Centercluster bestehend aus jeweils zwei Leopard Elementen versorgt das Parkett und den Rang. Für die Surround Anwendung im Saal sind 24 UPJ-1XP zuständig. Das Monitoring System auf der Bühne besteht aus zwei CAL 64 Beamstearing Lautsprechern. Für die Frontfill-Beschallung im Parkett kommen 8 UPM-1P Lautsprecher zum Einsatz. Die Delay Line unter dem Rang besteht aus acht MM4-XP Lautsprechern. Auf der Hinterbühne sorgen zwei Fullrange Lautsprecher vom Typ UPQ-2P auf beiden Seiten für die Effektbeschallung und liefern auch bei Proben den akustischen Rahmen. Vier mobile aktive Meyer Sound MJF 210 bilden das Bühnen Monitoring. Angesteuert wird das Beschallungssystem über vier Galileo Calisto 616 Prozessoren. Ein Meyer Sound Remote Monitoring Server überwacht die Line-Arrays.

Um den Sound auch künstlerisch ästhetisch zu gestalten, hat man in zwei DiGiCo-Mischpulte investiert und ein redundantes Waves Serversystem mit ProShow Plug-In Sammlung aufgesetzt. Eine DiGiCo SD7 Konsole wird mit der bewährten Theatersoftware für die Szenenverwaltung als Hauptpult im Saal eingesetzt. In der Tonregie steht derweil eine SD10, die ein komfortables Arbeiten ermöglicht. Beide Konsolen sind redundant über glasfaserbasiertes digitales Optocore Audionetzwerk sowohl an der FOH-Position als auch in der Regie verbunden. Sie werden im Verbund oder einzeln eingesetzt. Die Waves-Plugins Sammlung erweitert die in den Mischpulten bereits angelegten Audioeffekte erheblich, um den wachsenden Anforderungen rund um die tonale Darstellung gerecht werden.

Im Theater sind zahlreiche Anschlusspunkte für die Mikrofoneingänge installiert und es werden mobile DiGiCo-Stageboxen – DiGiCo SD Racks und DiGiCo Mini-Racks – eingesetzt. Das Optocore Audionetzwerk kann 504 Audiokanäle bei 96kHz verarbeiten – das Theater Vanemuine verfügt über mehr als 700 Eingänge. Mittels der Digico T-Software lassen sich beliebig Schnittstellen bei Bedarf zu- und abschalten. Das Ensemble geht regelmäßig auf Tour, so dass sein mobiles Equipment auch bei den Gastspielen an anderen Standorten zum Einsatz kommt.

Mikrofonie

Im aktuellen Spielbetrieb setzt man im Theater Vanemuine unter anderem auf ein Shure Axient System mit 30 Kanälen. Passend dazu werden 30 AXT-100-Taschensender und nahezu „unsichtbare“ Ansteckmikrofone von Countryman eingesetzt. Der Vorteil des Axient Systems ist ein integriertes Frequenzmanagement, welches das zur Verfügung stehende Frequenzspektrum fortlaufend nach möglichen Störungen scannt. Im Problemfall wird innerhalb von 500 Millisekunden auf eine andere Frequenz geschaltet, so dass eine hohe Betriebssicherheit gewährleistet ist.

 

Fragen? Wir helfen Ihnen gerne

  • Theater-Vanemuine-Slider-I.jpg

    Theater Vanemuine

    Blick vom Zuschauersaal auf die Bühne. Das Theater Vanemuine bedient eine große Bandbreite an darstellender Kunst – Theater, Oper, Operette, Ballett und Musicals – und wird ganzjährig betrieben.

  • Theater-Vanemuine-Slider-II.jpg

    Theater Vanemuine

    Das große Inspizientenpult befindet sich rechts der Bühne. Über zwei eingebaute adunas Touch Panels werden alle Steuerfunktionen wie z.B. Audio, Licht, Video, Vorhang, Uhrenfunktionen Stoppuhr, Timer, Uhrzeit, Zuspieler und Gong berücksichtigt.

  • Theater-Vanemuine-Slider-III.jpg

    Theater Vanemuine

    Das kleinere mobile Inspizientenpult im Zuschauerraum ist mit einem Touchdisplay ausgestattet und beinhaltet die gleichen Funktionen wie das Hauptpult mit Ausnahme der Vorhangfunktion. Es kommt bei Theaterproben zum Einsatz.

  • Theater-Vanemuine-Slider-IV_02.jpg

    Theater Vanemuine

    Das zentrale Element der Intercomanlage im Theater bildet die redundant ausgelegte Adam M Intercom-Matrix. An diese werden z.B. die im Theater verteilten Intercomsprechstellen der RTS KP-Serie über die TCP-IP Infrastruktur des Hauses angebunden.

  • Theater-Vanemuine-Slider-V.jpg

    Theater Vanemuine

    Das Beschallungssystem im Theater Vanemuine besteht aus Meyer Sound Komponenten. Bei der Hauptbeschallung kommen zwei Meyer Sound Leopard Line Arrays bestehend aus jeweils sieben Modulen und zwei 900-LFC Subwoofer zum Einsatz.

  • Theater-Vanemuine-Slider-VI.jpg

    Theater Vanemuine

    Der FOH-Arbeitsplatz mit Surround und Delay Lautsprechern von Meyer Sound.

  • Theater-Vanemuine-Slider-VII.jpg

    Theater Vanemuine

    Eine DiGiCo SD7 T Konsole wird mit der bewährten T-Theatersoftware für die Szenenverwaltung als Hauptpult im Bühnensaal eingesetzt.

  • Theater-Vanemuine-Slider-VIII.jpg

    Theater Vanemuine

    Das Optocore Audionetzwerk kann 504 Audiokanäle bei 96kHz verarbeiten – das Theater Vanemuine verfügt über mehr als 700 Eingänge. Mittels der Digico T-Software lassen sich beliebig Schnittstellen bei Bedarf zu- und abschalten.

  • Theater-Vanemuine-Slider-IX.jpg

    Theater Vanemuine

    Im aktuellen Spielbetrieb setzt man unter anderem auf ein Shure Axient System mit 30 Kanälen. Der Vorteil des Axient Systems ist ein integriertes Frequenzmanagement, welches das zur Verfügung stehende Frequenzspektrum fortlaufend nach möglichen Störungen scannt.

  • Theater-Vanemuine-Slider-X_02.jpg

    Theater Vanemuine

    Zentraler Geräteraum im Theater Vanemuine. Hier sieht man die Unterverteilung für Audio, Video und Licht.

Die ganze Vielfalt auf einem Blick

Hier finden Sie zu jedem Geschäftsbereich unsere gesamten Referenzen

  • Corporate & Public Projects

  • Allgemeine Geschäftsbedingungen

Verwandte Themen

Das könnte Sie auch interessieren